Du holst dein Anstellgut nach einer Woche oder zwei aus dem Kühlschrank und möchtest damit backen? Dann brauchst du jetzt keine Routine-Fütterung, sondern eine Auffrischung. Auffrischen heißt: dein Sauerteig kommt zurück in Form, wird wieder triebstark und backbereit. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie das geht, was du beachten musst und wie du auch einen schwachen oder lange vergessenen Starter wieder zum Leben erweckst.
Was bedeutet Sauerteig auffrischen?
Sauerteig auffrischen heißt: dein ruhendes Anstellgut mit frischem Mehl und Wasser füttern, damit die Mikroorganismen wieder aktiv werden. Anders als bei der regelmäßigen Routine-Pflege geht es beim Auffrischen darum, einen Sauerteig nach einer längeren Pause oder einem Aktivitätstief wieder voll triebstark zu machen.
Die Wortwahl ist hier auch ein guter Wegweiser:
- Füttern: liebevolle Routine-Pflege im Alltag, damit dein Sauerteig zwischen den Backvorhaben aktiv bleibt
- Auffrischen: gezieltes Wachküssen, wenn dein Anstellgut längere Zeit im Kühlschrank geruht hat und vor dem nächsten Brot wieder Schwung braucht

Wie du dein Anstellgut im Alltag pflegst, erfährst du in meinem Beitrag Sauerteig füttern.

Wann brauche ich eine Auffrischung?
In der Regel gilt: Wenn dein Anstellgut länger als ein paar Tage im Kühlschrank gestanden hat oder Anzeichen von Schwäche zeigt, dann ist eine Auffrischung dran.
Typische Auffrisch-Situationen aus meiner Praxis:
- Vor dem Backen nach Pause: Dein ASG stand 1 bis 2 Wochen ungenutzt im Kühlschrank und du willst Brot backen
- Nach längerer Pause: Dein ASG hat 3 Wochen oder mehr unbeachtet im Kühlschrank gestanden
- Bei Schwächezeichen: Dein ASG riecht streng, ist eingefallen oder zeigt eine graue Flüssigkeit obendrauf (das nennt man Fusel)
- Nach Urlaub: Du warst weg und dein ASG hat allein im Kühlschrank überwintert
Faustregel: Je länger die Pause, desto mehr Auffrischungen brauchst du. Ein ASG nach 1 Woche reicht oft eine Auffrischung. Nach 3 Wochen oder mehr planst du besser 2 bis 3 ein.
Wie oft sollte man Sauerteig auffrischen?
Die Häufigkeit hängt davon ab, wie du dein Anstellgut lagerst und ob du es vor dem Backen aktivieren möchtest.
Bei Lagerung im Kühlschrank (mein Standard):
- Vor dem Backen: 1 bis 2 Auffrischungen, je nach Ruhe-Dauer
- Nach 1 Woche Pause: meist 1 Auffrischung
- Nach 2 bis 3 Wochen Pause: 2 Auffrischungen
- Nach mehr als 3 Wochen: 2 bis 3 Auffrischungen mit etwas Abstand
Bei Lagerung bei Raumtemperatur:
- In der Regel täglich füttern, eine separate Auffrischung ist meist nicht nötig
- Wenn dein ASG bei Raumtemperatur Schwächezeichen zeigt, einmal mit warmem Wasser und mehr Mehl auffrischen
Faustregel: Je länger dein ASG geruht hat, desto mehr Auffrischungen sind nötig. Verlass dich nicht auf eine Stoppuhr, sondern auf die Volumenzunahme und den Geruch. Wenn sich dein Anstellgut nach der Auffrischung zuverlässig in 4 bis 8 Stunden verdoppelt oder verdreifacht, ist es backbereit.
Für die regelmäßige Routine-Pflege im Alltag (ohne dass du backst) reicht meist eine wöchentliche Fütterung. Wie du dein Anstellgut im Alltag pflegst, erkläre ich in meinem Beitrag Sauerteig füttern.

Sauerteig auffrischen (Mini-Rezept)
Empfohlenes Zubehör
- 1 Glas (ca. 360 ml)
Zutaten
- 10 g Sauerteiganstellgut (ASG) - passend zur Getreidesorte (z. B. Roggensauerteig)
- 50 g warmes Wasser - ca. 35 °C
- 50 g Mehl (passend zur Getreidesorte deines ASGs)
Zubereitung
- Anstellgut bereitstellen: Nimm das ASG etwa 1 Stunde vor dem Auffrischen aus dem Kühlschrank und gib es in ein sauberes, hohes Glas.10 g Sauerteiganstellgut (ASG)
- Wasser hinzufügen: Lauwarmes Wasser zugeben und gut verrühren, bis sich das Anstellgut aufgelöst hat.50 g warmes Wasser
- Mehl unterrühren: Mehl dazugeben und alles gründlich vermengen, bis keine trockenen Stellen mehr sichtbar sind.50 g Mehl (passend zur Getreidesorte deines ASGs)
- Reifen lassen: Locker abdecken, Füllhöhe markieren und bei 26 bis 28 Grad reifen lassen, bis sich das Volumen mindestens verdoppelt hat (ca. 4 bis 8 Stunden).
- Verwenden oder zurück in den Kühlschrank: Jetzt kannst du den Sauerteig zum Backen ansetzen oder zur weiteren Pflege wieder in den Kühlschrank stellen.
Meine Tipps
Sauerteig auffrischen: Schritt für Schritt
Plane für eine vollständige Auffrischung etwa 4 bis 8 Stunden Vorlaufzeit ein, je nach Aktivität deines ASGs und Temperatur. Hier ist mein bewährter Ablauf:
1. Anstellgut bereitstellen
Nimm dein ASG aus dem Kühlschrank und lass es etwa 1 Stunde auf Zimmertemperatur kommen. Direkt aus der Kälte ans Werk zu gehen, kühlt den frischen Ansatz zu sehr ab und bremst die Fermentation.
2. Mit warmem Wasser und Mehl füttern
Mein Standard-Verhältnis fürs Auffrischen: 1:5:5
- 10 g Anstellgut
- 50 g lauwarmes Wasser (ca. 35 Grad)
- 50 g Mehl (passend zur Getreidesorte deines ASGs)
Warum 1:5:5 und nicht 1:1:1? Beim Auffrischen geht es darum, dein Anstellgut wieder aufzubauen, nicht nur kurz zu aktivieren. Mit mehr Mehl und Wasser haben die Mikroorganismen ausreichend Futter, um sich zu vermehren und Triebkraft aufzubauen. 1:1:1 reicht für die schnelle Aktivierung eines schon aktiven ASGs, beim Auffrischen nach Pause brauchst du das größere Verhältnis.
3. Warm reifen lassen
Bei 26 bis 28 Grad reifen lassen, bis sich das Volumen mindestens verdoppelt hat. Das dauert mit dem 1:5:5-Verhältnis je nach Aktivität deines ASGs 4 bis 8 Stunden.
4. Peak abwarten
Dein aufgefrischtes ASG ist backbereit, wenn:
- es sich mindestens verdoppelt hat (besser verdreifacht)
- viele feine Bläschen an der Oberfläche sichtbar sind
- es angenehm mild-säuerlich riecht (nicht stechend)
- es schwammig, luftig und elastisch wirkt
Diesen Höhepunkt der Aktivität nennt man Peak. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um den Sauerteig für dein Brot anzusetzen oder das ASG zurück in den Kühlschrank zu stellen.
5. Bei Bedarf: zweite Auffrischung
Falls dein ASG nach der ersten Auffrischung noch träge wirkt oder sich nicht zuverlässig verdoppelt hat, füttere es einfach ein zweites Mal. Bei längeren Pausen sind 2 bis 3 Auffrischungen hintereinander völlig normal.

Mein Tipp
Wenn ich am Freitag oder Samstag backen will, frische ich mein ASG meist am Donnerstagabend zum ersten Mal auf. Am Freitagmorgen schaue ich, ob es schon Volumen aufgebaut hat. Falls ja, mache ich eine zweite Auffrischung. Falls nein, gebe ich ihm noch ein paar Stunden. So ist mein ASG am Backtag immer in Bestform, ohne dass ich mich stressen muss.

So wird’s was: Tipps aus meiner Sauerteigpraxis
Aus 10 Jahren Sauerteig-Backen habe ich vor allem eines gelernt: Auffrischen ist kein Hexenwerk, aber ein paar Stellschrauben machen einen großen Unterschied.
Wasser-Temperatur beachten
Lauwarmes Wasser bei 35 bis 40 Grad ist der Turbo für deine Mikroorganismen. Direkt aus der Leitung ist meist zu kühl (Leitungswasser hat oft nur 12 bis 15 Grad), das bremst die Fermentation deutlich. Ich messe die Wassertemperatur mit einem kleinen Küchenthermometer nach, das gibt Sicherheit und kostet keine 30 Sekunden.
Standort warm halten
Die Mikroorganismen lieben Wärme. Bei 26 bis 28 Grad reift dein ASG zuverlässig und mild. Bei 22 Grad dauert es deutlich länger, das ASG entwickelt mehr Säure. Bei unter 20 Grad wird es zäh. Mein Standard ist der Backofen mit eingeschaltetem Licht (keine LED), das gibt 26 bis 28 Grad. Wenn du eine Heizmatte mit Thermostat hast, ist das natürlich noch präziser.
Mehlsorte beibehalten
Beim Auffrischen bleibst du am besten bei der Getreidesorte, mit der du dein ASG ursprünglich gezüchtet hast:
- Roggensauerteig: mit Roggenmehl auffrischen (zum Beispiel Type 1150 oder Vollkorn)
- Weizensauerteig: mit Weizenmehl auffrischen (zum Beispiel Type 550 oder 1050)
- Dinkelsauerteig: mit Dinkelmehl auffrischen (zum Beispiel Type 630 oder 1050)
Die Anleitung selbst funktioniert identisch für alle drei Mehlsorten. Du musst nichts grundsätzlich anders machen, nur das passende Mehl wählen. Häufiges Wechseln zwischen Roggen, Weizen und Dinkel bringt die Mikroflora aus dem Gleichgewicht.
Bei schwachem ASG geduldig sein
Wenn dein ASG nach 3 oder 4 Wochen aus dem Kühlschrank kommt und schwach wirkt, gib ihm Zeit. 2 bis 3 Auffrischungen hintereinander sind völlig normal, manchmal braucht es sogar einen ganzen Tag, bis die Triebkraft zurück ist. Frustration ist hier der schlechteste Begleiter, dein ASG kommt zurück, du musst es nur richtig füttern und warm halten.
Hohes Glas verwenden
Ein schlankes, hohes Glas zeigt dir die Volumenzunahme deutlich besser als ein breites. Mein Glas hat etwa das Dreifache Volumen meines Sauerteigansatzes, so kann ich die Verdopplung oder Verdreifachung gut beobachten und mit einem Gummiband markieren.
Häufige Fragen zu Sauerteig auffrischen
Wenn dein ASG sehr aktiv ist und sich nach der Auffrischung in 4 bis 6 Stunden verdoppelt, reicht oft eine Auffrischung.
Plane 2 bis 3 Auffrischungen ein, jeweils im warmen Bereich (26 bis 28 Grad). Verwende zum ersten Auffrischen nur eine kleine Menge vom alten ASG, zum Beispiel 10 g auf 50 g Mehl und 50 g Wasser. So verdünnst du eventuell entstandene Säurespitzen und gibst der frischen Mikroflora viel Raum.
Frische 2 bis 3 mal hintereinander mit einem hohen Verhältnis (1:5:5) auf, am besten mit hellem Mehl. Das viele frische Mehl und Wasser verdünnt die Säure und gibt den Mikroorganismen Raum, sich neu aufzubauen. Der Geruch normalisiert sich dann nach wenigen Auffrischungen wieder. Stechend chemisch oder faulig sollte er allerdings nicht riechen, dann lieber neu ansetzen.
Wenn sich pelzige oder flauschige Flecken in Weiß, Grün, Schwarz oder Blau zeigen, ist das Schimmel und du musst neu ansetzen. Eine dünne weiße Haut an der Oberfläche dagegen ist meist nur Kahmhefe und kann einfach abgehoben werden.
Muss ich beim Auffrischen die Mehlsorte wechseln?
Nein, im Gegenteil. Bleib bei der Mehlsorte, mit der du dein ASG ursprünglich gezüchtet hast. Häufiges Wechseln bringt Unruhe in die Mikroflora. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei sehr schwachem ASG, kann ein Wechsel auf nährstoffreicheres Vollkornmehl sinnvoll sein, um die Mikroorganismen zu boosten.
➔ Routine-Pflege im Alltag: Sauerteig füttern
➔ Wie lange du dein Anstellgut lagern kannst: Sauerteig aufbewahren
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