Sauerteig lernen Schritt für Schritt
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3. Sauerteig richtig aufbewahren
Was bedeutet Sauerteig füttern?
Sauerteig füttern bedeutet: Du gibst deinem Anstellgut regelmäßig frisches Mehl und Wasser, damit die Mikroorganismen aktiv bleiben und sich nicht aushungern. Es ist die liebevolle Routine-Pflege im Alltag, vergleichbar mit dem regelmäßigen Wässern einer Pflanze.
Wichtig zur Abgrenzung:
- Füttern (dieser Beitrag): Regelmäßige Pflege im Alltag, damit dein Sauerteig zwischen den Backvorhaben aktiv bleibt. Standard-Verhältnis 1:2:2.
- Auffrischen: Gezieltes Wachküssen nach längerer Pause oder bei schwachem ASG. Standard-Verhältnis 1:5:5, damit die Mikroorganismen genug Futter zum Aufbau haben.
Beide Aktionen sind verwandt, aber haben unterschiedliche Ziele. Wenn dein ASG länger als ein paar Tage ungenutzt im Kühlschrank gestanden hat und du backen willst, brauchst du eine richtige Auffrischung.

Sauerteig füttern vor dem Backen, oder doch lieber auffrischen?
Du willst ein Brot mit Sauerteig backen und fragst dich, ob du vorher füttern musst? Die ehrliche Antwort: Ja, aber das ist dann genau genommen ein Auffrischen, kein Routine-Füttern. Hier ist der praktische Unterschied:
Wann reicht ein einfaches Füttern:
- Dein ASG wurde vor 1 bis 2 Tagen frisch gefüttert und steht im Kühlschrank
- Es zeigt sichtbare Aktivität (Bläschen, leicht aufgegangen)
- Es riecht mild und angenehm säuerlich
In diesem Fall kannst du es direkt mit 1:2:2 füttern und nach 4 bis 6 Stunden zum Backen verwenden.
Wann brauchst du eine richtige Auffrischung:
- Dein ASG steht länger als 1 Woche im Kühlschrank
- Es zeigt Schwächezeichen (kaum Bläschen, eingefallen, strenger Geruch)
- Es war im Urlaub länger ungenutzt
In diesem Fall ist eine richtige Auffrischung im Verhältnis 1:5:5 nötig, oft sogar zwei oder drei hintereinander. Wie das genau geht, erkläre ich Schritt für Schritt in meinem Beitrag Sauerteig auffrischen.
Schnelle Faustregel:
| Ruhe-Dauer im Kühlschrank | Empfehlung |
|---|---|
| Frisch gefüttert, wenige Tage | Routine-Füttern reicht (1:2:2) |
| 1 bis 2 Wochen | 1 Auffrischung (1:5:5) |
| 2 bis 3 Wochen | 2 Auffrischungen (1:5:5) |
| Mehr als 3 Wochen | 2 bis 3 Auffrischungen (1:5:5) |

Wie oft soll ich meinen Sauerteig füttern?
Wie oft du dein Anstellgut fütterst, hängt davon ab, wie du es lagerst:
Im Kühlschrank gelagert (mein Standard): Ich bewahre mein Anstellgut fast immer im Kühlschrank auf. Damit es dort aktiv bleibt, füttere ich es mindestens einmal pro Woche, oft auch zwei- bis dreimal, wenn ich viel backe. Das reicht völlig, um es zuverlässig einsatzbereit zu halten.
Bei Raumtemperatur gelagert: Wenn du dein Anstellgut bei Raumtemperatur führst, musst du täglich füttern. Die Mikroflora bleibt so besonders aktiv, das Anstellgut wird triebstärker und oft auch milder im Geschmack. Das ist allerdings deutlich aufwendiger und lohnt sich nur, wenn du wirklich oft backst.
Faustregel: Lieber einmal zu oft füttern als einmal zu selten. Ein gut gepflegtes Anstellgut ist die Basis für jedes gute Sauerteigbrot.

Sauerteig füttern: Welches Verhältnis?
Beim Füttern arbeitest du mit drei Komponenten: Anstellgut, Mehl und Wasser. Das Verhältnis dieser drei Teile bestimmt, wie schnell dein Sauerteig reift und wie er schmeckt.
Mein Standard für die Routine-Pflege: 1:2:2
Ich verwende für die regelmäßige Pflege das klassische Verhältnis 1:2:2, also zum Beispiel:
- 20 g Anstellgut
- 40 g Mehl
- 40 g warmes Wasser (ca. 35 bis 40 Grad)
Damit reift das Anstellgut bei 26 bis 28 Grad in ca. 4 Stunden. Sobald es sich gut vergrößert hat (knappe Verdopplung reicht), stelle ich es in den Kühlschrank zurück. Damit hat es noch genügend Nahrung für die nächsten Tage.
Die wichtigsten Verhältnisse im Überblick
| Mischverhältnis | Reifezeit (bei 26 bis 28 Grad) | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1:1:1 | 2 bis 4 Stunden | mild, triebstark |
| 1:2:2 | 4 bis 6 Stunden | mild und triebstark (mein Standard) |
| 1:5:5 | 6 bis 8 Stunden | ausgewogen aromatisch (mein Auffrisch-Standard) |
| 1:10:10 | 8 bis 12 Stunden (bei ca. 22 Grad) | kräftiger, säuerlicher |
Hinweis: Die angegebenen Reifezeiten sind Richtwerte. Je nach Aktivität deines Sauerteigs, Mehlsorte und Umgebungstemperatur können sie variieren. Beobachte am besten die Volumenzunahme, dein Sauerteig zeigt dir, wann er bereit ist.
Welches Verhältnis wofür?
- Routine-Pflege im Alltag: 1:2:2 (mein Standard, schnell und zuverlässig)
- Schneller Backbereit: 1:1:1 (wenn dein ASG schon sehr aktiv ist)
- Auffrischen nach Pause: 1:5:5 (mehr Futter zum Aufbau, dazu mein Beitrag Sauerteig auffrischen)
- Langzeit-Führung (über Nacht): 1:10:10 (mehr Aroma, langsamere Reife)

Sauerteig füttern: Welches Mehl?
Das Mehl hat großen Einfluss auf Geschmack, Aktivität, Triebkraft und Stabilität deiner Kultur. Bleib am besten bei der Getreidesorte, mit der du dein Anstellgut ursprünglich gezüchtet hast, häufiges Wechseln bringt Unruhe in die Mikroflora.
Grundregel zur Mehlsorte
- Roggensauerteig: mit Roggenmehl füttern
- Weizensauerteig: mit Weizenmehl füttern
- Dinkelsauerteig: mit Dinkelmehl füttern
Ausnahme: Wenn du deinen Sauerteig bewusst umzüchten möchtest, zum Beispiel von Roggen auf Dinkel, kannst du die Mehlsorte schrittweise wechseln. Für die normale Pflege solltest du aber bei einer Sorte bleiben.
Wie du einen Lievito Madre richtig pflegst, erfährst du in meinem Beitrag Lievito Madre ansetzen und auffrischen.
Welcher Ausmahlungsgrad?
Auch die Mehltype spielt eine Rolle:
- Helle Mehle (niedrige Typenzahl): fördern mildere, feinere Aromen
- Vollkornmehle: sorgen für kräftigere, oft auch säuerlichere Noten, geben deinem Sauerteig durch den hohen Nährstoffgehalt einen kleinen Boost
- Mittlerer Ausmahlungsgrad (Weizen 1050, Dinkel 1050, Roggen 1150): ein guter Mittelweg, ausgewogen und aromatisch
- Mischung: Helles und Vollkornmehl mischen, zum Beispiel zur Hälfte oder 2:1, bringt Nährstoffe und milde Aromatik in Einklang
Meine Lieblings-Mehle aus der Backstube
- Bio-Roggenmehl Type 1150 für meinen Roggensauerteig, mild und aromatisch
- Französisches Weizenmehl T80 (ähnlich Weizen Type 1050) für Weizensauerteig, schön aromatisch und mild
- Bio-Dinkelmehl Type 630 oder 1050 für Dinkelsauerteig, mild und zuverlässig

Mein Tipp
Probiere dich ruhig etwas aus, aber gib deinem Sauerteig Zeit, sich an Veränderungen zu gewöhnen. Bleib für einige Fütterungen bei einer Sorte, bevor du wieder wechselst. Beobachte dabei deinen Sauerteig, jede Sauerteigkultur ist anders. Du erkennst schnell, was ihm gut tut und was nicht.

Sauerteig füttern Schritt für Schritt
Empfohlenes Zubehör
- 1 schlankes hohes Glas (ohne Spülmittelreste), das Volumen sollte etwa das Dreifache deines Sauerteigansatzes haben.
Zutaten
- 20 g Sauerteiganstellgut - passend zur Getreidesorte deines ASGs, z. B. Roggensauerteig
- 40 g warmes Wasser - ca. 35 °C
- 40 g Mehl nach Wahl - passend zur Getreidesorte deines ASGs
Zubereitung
Starter aufwärmen lassen
- Nimm dein Anstellgut etwa 1 Stunde vor dem Füttern aus dem Kühlschrank.

Wasser abmessen
- Gib das lauwarme Wasser in ein sauberes, hohes Glas.40 g warmes Wasser

Starter zugeben
- Nun gibst du deinen Sauerteigstarter hinzu und mischst alles gründlich, bis sich das Anstellgut aufgelöst hat.20 g Sauerteiganstellgut

Mehl unterrühren
- Mehl dazugeben und alles gründlich verrühren, bis keine trockenen Mehlstellen mehr sichtbar sind.40 g Mehl nach Wahl

Sauerteig reifen lassen
- Locker abdecken, Füllhöhe markieren und bei 26 bis 28 Grad für 4 bis 6 Stunden reifen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt bis verdreifacht hat.

Verwenden oder kühlen
- Jetzt kannst du den Sauerteig zum Backen ansetzen oder im Kühlschrank bis zum nächsten Einsatz aufbewahren.

Meine Tipps
- Das Verhältnis 1:2:2 ist mein Standard für die regelmäßige Pflege. Für die Aktivierung nach längerer Pause arbeite ich mit 1:5:5, mehr dazu in meinem Beitrag Sauerteig auffrischen.
- Wenn du nur zur Pflege fütterst und nicht direkt backen möchtest, reicht eine knappe Verdopplung. Dann zurück in den Kühlschrank.
- Die Reifezeit kann je nach Temperatur, Mehlsorte und Anstellgut variieren. Entscheidend ist nicht die Uhrzeit, sondern die sichtbare Volumenzunahme.
Mein bewährter Pflege-Rhythmus aus 10 Jahren Sauerteig
Es gibt viele Wege, einen Sauerteig zu führen. Ich halte es lieber unkompliziert und verwende immer das gleiche Verhältnis von Mehl und Wasser. So ist mein Sauerteig zwar je nach Mehl mal etwas fester oder weicher, besteht aber immer zur Hälfte aus Wasser und Mehl. Das macht das Umrechnen, Austauschen oder Anpassen in Rezepten deutlich einfacher und alltagstauglicher.
So passe ich die Fütterung an meine Backpläne an:
Wenn du es milder magst:
- Warm führen (26 bis 28 Grad)
- Häufig füttern
- Helle Mehlsorten verwenden
- Hohe Anstellgutmenge, zum Beispiel 1:1:1
Wenn du es kräftiger willst:
- Mit Vollkornmehl arbeiten
- Länger reifen lassen (über Nacht)
- Kühler reifen lassen (ca. 22 Grad)
- Niedriges Mischverhältnis, zum Beispiel 1:10:10
Noch ein Tipp: Sauerteigreste, die beim Füttern übrig bleiben, verwerte ich gerne in sogenannten Auffrischrezepten. So landet nichts im Müll. Hier findest du meine Rezepte mit Sauerteigresten.

Mein Tipp
Wenn du nicht direkt backen möchtest, kannst du das frisch gefütterte Anstellgut bereits nach einer knappen bis vollständigen Verdopplung kühl stellen. Möchtest du damit backen, warte besser, bis es sich vollständig verdoppelt oder sogar verdreifacht hat, das ist der ideale Zeitpunkt (Peak), um einen neuen Sauerteig für dein Brot anzusetzen.

Häufige Fragen zum Thema Sauerteig füttern
Das ist die regelmäßige Pflege deines Anstellguts mit frischem Mehl und Wasser. So bleiben die Mikroorganismen aktiv, für guten Geschmack und zuverlässige Triebkraft.
Füttern ist die liebevolle Routine-Pflege im Alltag (Standard 1:2:2). Auffrischen ist das gezielte Wachküssen nach längerer Pause oder bei schwachem ASG (Standard 1:5:5, mehr Futter zum Aufbau). Bei länger ungenutzem ASG brauchst du eine richtige Auffrischung, nicht nur eine Routine-Fütterung.
Dein ASG ist eingefallen, hat kaum Bläschen und riecht sehr säuerlich? Oder es bildet sich sogar Fusel (graue Flüssigkeit) auf der Oberfläche? Dann ist höchste Zeit zum Füttern, bei sehr starken Schwächezeichen brauchst du eher eine Auffrischung als nur Routine-Pflege.
Dann war er wahrscheinlich überreif oder wurde zu selten gefüttert. Wiederhole die Fütterung 2 bis 3 mal mit einem milden Verhältnis (1:1:1) und lass den Sauerteig bei 26 bis 28 Grad reifen. Der Geruch sollte mild sein, niemals beißend oder chemisch.
Besser nicht zu oft. Bleib bei der Mehlsorte, mit der du deinen Sauerteig ursprünglich gezüchtet hast, das bringt Stabilität in die Kultur.
Ideal sind 26 bis 28 Grad. Das erreichst du im Backofen mit eingeschalteter Lampe (keine LED), neben der Heizung oder mit einer Wärmflasche in einer Isolierbox. Eine Heizmatte mit Thermostat in einer Styroporbox funktioniert besonders präzise. Wichtig: Temperatur am Standort nachmessen.
➔ Aktivierung vor dem Backen oder nach Pause: Sauerteig auffrischen
➔ Wie lange du dein Anstellgut lagern kannst: Sauerteig aufbewahren
➔ Du hast noch kein eigenes Anstellgut? Sauerteig ansetzen
➔ Mehr rund um Sauerteig: Sauerteig-Themenwelt













2 Kommentare zu „Sauerteig füttern: So pflegst du deinen Starter im Alltag“
Liebe Sonja, habe heute deine Anleitung entdeckt. Obwohl ich schon länger mit Sauerteig backe, fand ich die Infos nochmal hilfreich. Vielen Dank! GLG Sieglinde
Super hilfreiche Tipps. Vielen Dank auch für deine Rezepte, hab schon viel gebacken von dir.